# VULNUS

VULNUS

Ich hatte einen Körper,  
bevor die Nacht hereinbrach.  
Es war ein Haus aus Fleisch  
mit beleuchteten Fenstern,  
ein kleiner Tempel,  
in dem die Seele ihre Stirn  
auf die Haut legte.  
Dann drang jemand ein  
in meine heiligste Dunkelheit  
und zerbrach das Brot meines Lichts.  
Er kam mit Steinen, geworfen  
von abwesenden Händen,  
mit Urteilen, geboren in der Dunkelheit,  
mit dem Hass derer, die aus der Ferne verletzen  
und anderen  
die Last des Blutes überlassen.  
Die blauen Flecken verschwanden  
mit der Gnade der Farbe.  
Die Bisse ließen die Haut zurück  
mit dem müden Gang  
der nun gesättigten Tiere.  
Seitdem  
habe ich gelernt, dass der Körper zu einem fremden Raum werden kann,  
zu einem Bett voller Nägel,  
zu einer Rose, die vom Frost verschlossen ist  
im falschen Monat.  
Ich habe gelernt,  
dass ein Wort ein Bluterguss sein kann,  
dass ein Satz eine Narbe hinterlassen kann,  
dass ein Spott  
länger nagen kann.  
Doch im Inneren blieb  
ein Schattengang zurück,  
verborgen in einer verwundeten Kirche.  
Die Haut kennt die Angst  
vor dem Mund,  
vor dem Gedanken,  
vor der Vergebung.  
Sie kennt den Geruch der Furcht,  
dieses kalte Eisen,  
das in den Geist eindringt  
und dort verweilt  
wie ein kranker König.  
Sie kennt das Gift der Stimme,  
den Schlag des Satzes,  
die Klinge des Gelächters anderer,  
den Biss des Anonymen,  
der Schlamm wirft  
und seinen eigenen Hunger  
Wahrheit nennt.  
Ich trug die Stille  
auf meinen Schultern  
wie einen schwarzen Mantel.  
Die Leute sahen mein Gesicht  
und sagten: Du bist gerettet. Doch die Rettung  
ist manchmal  
nur eine verschlossene Tür,  
hinter der noch immer  
der Raum brennt.  
Da kam der Duft.  
Er kam lautlos,  
wie gewisse Gnaden kommen  
nach dem Untergang.  
Er drang in die Wunde ein  
mit Händen aus Luft,  
mit Blut aus Licht,  
mit dunkler Geduld.  
Er sagte zu mir:  
Deine Haut gehört dir.  
Er sagte zu mir:  
Deine Seele hat noch immer  
einen Namen.  
Und da stand ich auf,  
beladen mit Eisen,  
Rauch,  
Leder,  
Asche,  
die verbrannte Rose,  
das bittere Harz,  
das nur den tröstet,  
der durch das Feuer gegangen ist.  
Ich erhob mich  
mit der schwarzen Tinte  
der empfangenen Worte,  
die zum Siegel  
auf der Haut geworden war.  
Ich erhob mich  
mit den Steinen, die ich  
einen nach dem anderen  
gesammelt und zu einer Krone verschmolzen hatte.  
Vulnus.  
So nannte ich  
meine Wunde,  
als sie aufhörte, Schande zu sein,  
und zur Kraft wurde.  
So nannte ich  
meinen Namen,  
als er aus dem Schlamm emporstieg  
mit einem schärferen Licht.  
So nannte ich  
meinen Körper,  
als er wieder die Luft erfüllte  
mit seiner Kraft.  
So nannte ich  
die Schönheit,  
die aus meinem Abgrund geboren wurde:  
eine flüssige Rüstung,  
ein wildes Licht,  
ein Duft,  
der aus der Asche aufsteigt  
und der Welt sagt:  
Ich gehöre mir. Ich gehöre immer noch mir.  
Ich habe Blut verloren,  
aber ich habe Gold gefunden. Ich habe den Schatten kennengelernt,  
aber jetzt beherrsche ich  
meine Nacht.

## Details

- **Price:** 240.0 EUR
- **Vendor:** Filippo Sorcinelli
- **Type:** Nischendüfte

## Variants

| Variant | Price | Available |
|---------|-------|-----------|
| 100 ml | 240.00 EUR | In stock |

## Images

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> Source: [Duftkunsthandlung](https://www.duftkunsthandlung.de/products/filippo-sorcinelli-vulnus)
> Updated: 2026-09-15
